Es war mal wieder soweit. Ich hatte mir einen Lost Place ausgesucht. Doch niemand hatte Zeit oder Lust, mit mir diesen verlassenen Ort aufzusuchen. Das verfallene Haus lag nur 1 1/2 Stunden entfernt. Deswegen packte ich meine Kamera und den Rest in den Rucksack. Ich machte mich auf den Weg.

Sollte ich vor der Ruine stehen und mich nicht trauen, auch nur einen Fuß in die morbiden Mauern zu setzen , wäre es nicht tragisch. Der Rückweg würde ja schnell gehen. Einen Versuch war es wert. Ich wollte es versuchen.

Als ich in dem Ort ankam, musste ich das zerrüttete Hotel erst suchen. Es lag versteckt hinter Bäumen. Dann stand ich vor dem Zeitzeugen aus vergangenen Tagen. Ich hatte das Gefühl, dass mein Herz bis zum Hals schlagen würde. Ein Fenster stand offen und dahinter verbarg sich völlige Dunkelheit. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen, leuchtete mit meiner Taschenlampe in den schwarzen Schlund  und setzte vorsichtig einen Fuß in das Unbekannte hinein. Mein zweiter Fuß folgte automatisch und schon stand ich in völliger Finsternis. Schnell ließ ich die Düsterheit hinter mir und stand in einem hellen Flur.

Meine Kamera holte ich aus dem Rucksack und versuchte die ersten Eindrücke einzufangen. Noch immer war ich sehr nervös und so waren die ersten Bilder verwackelt. Nach und nach wurde ich ruhiger. Ich konnte den morbiden Charme auf mich wirken lassen. Nun klappte es auch, diesen Zauber des Verfalls in Fotos festzuhalten. Die Reise in die Vergangenheit konnte beginnen.

Obwohl die leerstehende Ruine immer mehr dem Untergang geweiht war, war sie sehr beeindruckend. In den modrigen Zimmern standen noch viele Möbel und Gardinen hingen an den Fenstern. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, welcher Glanz hier vor frühen Tagen  versprüht wurde. In einigen Zimmern war der Rückschritt schon so weit fortgeschritten, dass sie nicht mehr zu betreten waren. Die Böden fehlten. Die Türen und Heizungen schienen zu schweben.

Nachdem ich viele Eindrücke aus der früheren Geschichte gesammelt hatte, machte ich mich auf den Rückweg zu meinem einzigen Ausgang ….. dem Fenster. Doch vorher musste ich wieder durch die Dunkelheit. Bei dem Gedanken daran fing mein Herz sofort wieder wie wild an zu schlagen. Mir blieb nichts anderes übrig. Also Zähne zusammen beißen, die Treppe hinunter und ab durch die dunklen Räume.

Daheim angekommen habe ich mir sofort meine Ausbeute angeschaut und war glücklich, dass ich diese Reise in die Vergangenheit gemacht habe.


Seit 1991 ist Hundhausen, eine Stärkefabrik in Ahlen, sich selbst überlassen und im Dornröschenschlaf versunken. Die Stille sollte nun ein Ende finden. Bagger und Abrissbirne würden der Ruine den Garaus bereiten.

Doch bevor dies geschah, wollte ich die Facetten der morbiden Schönheit in Fotos festhalten. Dabei brannte sich der Gedanke in mir fest, dass ich diese Aufnahmen der längst vergangenen Epoche der Öffentlichkeit präsentieren wollte. Schließlich verbindet man Hundhausen mit Ahlen. Mit dem verschwinden der Ruine, würde auch ein Stück Ahlen verschwinden.

Ich setzte mich mit dem Eigentümer der Stärkefabrik in Verbindung. Er gab mir seine Erlaubnis, dass ich die verfallenen Fabrik betreten durfte.

So ging es auf die Reise von München nach Ahlen. Meine alte Heimatstadt. Beim Betreten des großen verlassenem Areal ließ ich mir Zeit. Durchwanderte die verlorenen Hallen und ließ sie auf mich wirken. Langsam entstanden Bilder vor meinem inneren Auge. Ich nahm meine Kamera in die Hand. Die Reise in die Vergangenheit konnte beginnen. Ich konnte mich auf jeden verwahrlosten Raum einlassen . Der Verfall war schon weit fortgeschritten und die Natur hatte sich schon einen großen Teil zurück erobert. Moos wucherte und breitete sich wie ein grüner Teppich aus. An anderen Stellen sah ich Efeu statt Tapeten. Der Putz bröckelte von den Wänden und verteilte sich auf dem Boden. Bäume wuchsen aus den Fugen des Mauerwerks und aus Regenrinnen. Ich wurde in eine andere Zeit gezogen.

Nach sechs Stunden waren wunderbare Fotos auf der Speicherkarte.  Jetzt hieß es eindrucksvolle Werke herauszufiltern. Das fiel mir sehr schwer, da es sehr viele Bilder gibt, die Erinnerungen aus vergangenen Tagen zeigen. Aber schließlich entschied ich mich für zwanzig Fotos und ließ diese auf Hanhnemühlepapier veredeln.

Nach gut vier Monaten ging es wieder nach Ahlen. Der Termin für die Präsentation stand fest. Nun galt es die Palettenwand in der Feuerarena aufzubauen. An dieser Wand wurden die Werke aufgehängt. Dann kam der 6. Januar. Das war der Tag, an dem die Eröffnung der Vernissage stattfand. Ich war sehr aufgeregt. Wer würde kommen? Wer interessiert sich für den Rückblick in die Vergangenheit und Lost Places Fotos? Ich wurde total überrascht! Viele interessierte Besucher waren gekommen. Einige schwelgten in Erinnerungen der vergangenen Zeit. Sie konnten mir interessante Geschichten zu der verlorenen Fabrikruine erzählen.

Es war ein toller Nachmittag und ich hatte das Gefühl, dass ich hier etwas Schönes gemacht habe.

Anmerkung: Die Bilder, die hier gezeigt werden, werden in der Ausstellung, die noch bis zum 31. März in der Feuerarena | Walstedderstr. 100 | 59227  Ahlen läuft, nicht gezeigt.

http://www.wn.de/Muensterland/Kreis-Warendorf/Ahlen/3099207-Britta-Moellmann-dokumentierte-Fabrikbrache-Vom-morbiden-Charme-verzaubert

http://www.wn.de/Muensterland/Kreis-Warendorf/Ahlen/3116640-Ausstellung-in-der-Feuerarena-Hundhausen-lebt-in-Fotos-weiter


Diesmal war ich in Ahlen auf den Spuren der Vergangenheit unterwegs. Ich wollte einen Lost Places besuchen, der kurz vor seinem Abriss stand. Doch bevor die Bagger anrollten, wollte ich die verlassene Fabrik in Fotos festhalten, damit sie nicht in Vergessenheit gerät. Yoga-Lehrer Thomas aus Beckum wünschte sich schon lange ein Shooting an einem verlassenen Ort. Diesen Wunsch wollte ich ihm gerne erfüllen.

Ich hatte die Ruine vor unserem Treffen erkundet. So konnte ich Thomas an die richtigen Plätze führen. Das zerrüttete Gelände war sehr groß und er konnte ausgiebig den Charme des Morbiden bewundern. Zuerst postierten wir uns vor den Graffittis. Dort konnte Thomas ein paar Übungen absolvieren, damit er warm wurde. Danach gingen wir in einen Raum, in dem die Natur sich ihren Platz zurück eroberte. Diese Halle war perfekt. Das Grün zeigte in seiner ganzen Pracht das neue Leben. Es breitete sich auf dem Boden und an den Wänden aus. Es entstanden wundervolle Aufnahmen.

Danach führte ich ihn in meinen Lieblingsraum der aufgegebenen Fabrik. Es war die Umkleide aus den vergangenen Tagen. Mit großer Neugierde folgte Thomas mir auf meinem Streifzug. Auf dem Weg dorthin, erzählte ich ihm von dem Glanz und Zauber, der von diesem, dem Untergang geweihtem, Zimmer ausging. Dieser ausgestorbene Platz wurde durch efeubewachsene Fenster und dem gelblichen Putz, der von den Wänden bröckelte, in ein warmes Licht getaucht. Es strahlte innere Ruhe aus. Eine Welt für sich. An den Wänden rosteten Metallschränke der Arbeiter vor sich hin. Sie wirkten aber nicht verloren. Durch den gelblichen Schimmer des Lichteinfalls bildeten sie mit dem Raum eine Einheit. Mitten in dieser vernachlässigten Kammer lag ein verrosteter Spint auf der Seite. Diesen nutzten wir als Yoga-Platz für Thomas. Aber nur kurz. Der rostige Schrank knackte verdächtig.

Wir hatten auch schon einige ausdrucksstarke Fotos auf der Speicherkarte und verließen das einsame Gelände aus vergangenen Tagen.


Es war wieder soweit. Ein interessanter Lost Place war ausgesucht, die Speicherkarten waren geleert und die Akkus geladen. Es konnte  losgehen.

Nur dieses Mal wurde ich von zwei Personen begleitet, die sehr neugierig auf einen verlassen Ort waren. Obwohl, das stimmt nicht ganz. Einer war auf Ruinen gespannt und was ich dort mache. Der andere musste wohl oder übel mit. Die Rede ist von dem Inhaber von comprisma.com  Björn Berensmann und seinem Chief of Wurst Fritz. Ich brachte ihm den Charme und die magie des Zerfalls nah und zeigte ihnen, wie sich die Natur ihren Weg zurück erobert.

Es war eine Zeitreise durch die verlorene Fabrik. Wir streiften durch die zerrüttenden Mauern und hielten viele Momente des Rückschrittes fotografisch fest. Wenn der Zahn der Zeit nicht soweit an den Gebäuden genagt hätte, hätten wir meinen können, dass die Arbeiter gerade Pause machten und jeden Augenblick zu ihrer Arbeitsstätte zurück kehren würden.

Plötzlich kam uns die Idee, dass das aufgegebene Gelände eine tolle Kulisse für ein Foto-Shooting abgeben würde. Sofort wurde der Gedanke in die Tat umgesetzt. Björn und Fritz mussten als Modells herhalten. Beide übernahmen diese Rolle mit Bravour.  Der Chief of Wurst flirtete mit der Kamera, als hätte er noch nie etwas anderes getan.  Es kamen wunderschöne Fotografien zustande. Wir waren begeistert.

Am Abend ging es dann wieder zurück nach München und das Bildmaterial wurde gesichtet. Aber schaut selbst