Es war mal wieder soweit. Meine Lust auf Lost Place Fotografie war groß. Ein interessanter Lost Place war schon ausgesucht. Doch niemand hatte Zeit oder Lust, mit mir diesen verlassenen Ort aufzusuchen. Das verfallene Haus lag nur 1 1/2 Stunden entfernt. Deswegen packte ich meine Kamera und den Rest in den Rucksack. Ich machte mich alleine auf den Weg.

Sollte ich vor der Ruine stehen und mich nicht trauen, auch nur einen Fuß in die morbiden Mauern zu setzen , wäre es nicht tragisch. Der Rückweg würde ja schnell gehen. Einen Versuch war es wert. Ich wollte es zumindest versuchen.

Lost Place Fotografie auf eigener Faust

Als ich im Ort ankam, musste ich das zerrüttete Hotel erst suchen. Es lag versteckt hinter Bäumen. Dann stand ich vor dem Zeitzeugen aus vergangenen Tagen. Das morbide Gebäude ragte vor mir auf. Mein Herz schlug laut. Eigentlich müsste es schon aus der Ferne zu hören sein. Im Hals bildete sich ein dicker Kloß. Ein Fenster stand offen und dahinter verbarg sich völlige Dunkelheit. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen, leuchtete mit meiner Taschenlampe in den schwarzen Schlund  und setzte vorsichtig einen Fuß in das Unbekannte hinein. Mein zweiter Fuß folgte automatisch und schon stand ich in völliger Finsternis. Schnell ließ ich die Düsterheit hinter mir und stand in einem hellen Flur.

Meine Kamera holte ich aus dem Rucksack und versuchte die ersten Eindrücke einzufangen. Noch immer war ich sehr nervös und so waren die ersten Bilder verwackelt. Nach und nach wurde ich ruhiger. Ich konnte den morbiden Charme auf mich wirken lassen. Nun klappte es auch, diesen Zauber des Verfalls in stimmungsvollen Fotos festzuhalten. Die Reise in die Vergangenheit konnte nun beginnen.

Obwohl die leerstehende Ruine immer mehr dem Untergang geweiht war, war sie sehr beeindruckend. In den modrigen Zimmern standen noch viele Möbel herum. Zerschlissene Gardinen hingen vor den Fenstern. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, welcher Glanz hier vor frühen Tagen versprüht wurde. In einigen Zimmern war der Rückschritt schon so weit fortgeschritten, dass sie nicht mehr zu betreten waren. Die Fußböden waren herabgestürzt. Die Türen und Heizungen schienen zu schweben.

Nachdem ich viele Eindrücke aus der früheren Geschichte gesammelt hatte, machte ich mich auf den Rückweg zu meinem einzigen Ausgang ….. dem Fenster. Doch vorher musste ich wieder durch die Dunkelheit. Bei dem Gedanken daran fing mein Herz sofort wieder wie wild an zu schlagen. Mir blieb nichts anderes übrig. Also Zähne zusammen beißen, die Treppe hinunter und ab durch die dunklen Räume.

Daheim angekommen, habe ich mir sofort meine Lost Place Fotografie angeschaut und war glücklich, dass ich diese Reise in die Vergangenheit gemacht habe.


Idee zur Fotoausstellung in Ahlen

Seit 1991 ist Hundhausen, eine Stärkefabrik in Ahlen, sich selbst überlassen und im Dornröschenschlaf versunken. Die Stille sollte nun ein Ende finden. Bagger und Abrissbirne würden der Ruine den Garaus bereiten. Doch bevor dies geschah, wollte ich die Facetten der morbiden Schönheit in Fotos festhalten. Dabei brannte sich der Gedanke in mir fest, dass ich diese Aufnahmen, der längst vergangenen Epoche, in einer Fotoausstellung in Ahlen, der Öffentlichkeit präsentieren wollte. Schließlich verbindet man Hundhausen mit Ahlen.  Ein Stück Ahlen würde verschwinden, wenn die Fabrikruine verschwindet.

Ich setzte mich mit dem Eigentümer der Stärkefabrik in Verbindung. Er gab mir seine Erlaubnis, dass ich die verfallenen Fabrik betreten durfte.

Auf geht`s

So ging es auf die Reise von München nach Ahlen, meine alte Heimatstadt. Beim Betreten des großen verlassenem Areal ließ ich mir Zeit. Durchwanderte die verlorenen Hallen und ließ sie auf mich wirken. Langsam entstanden Bilder vor meinem inneren Auge. Deswegen nahm ich meine Kamera in die Hand. Die Reise in die Vergangenheit konnte beginnen. Auf jeden verwahrlosten Raum konnte ich mich einlassen . Der Verfall war schon weit fortgeschritten und die Natur hatte sich schon einen großen Teil zurück erobert. Moos wucherte und breitete sich wie ein grüner Teppich aus. An anderen Stellen sah ich Efeu statt Tapeten. Der Putz bröckelte von den Wänden und verteilte sich auf dem Boden. Bäume wuchsen aus den Fugen des Mauerwerks und aus Regenrinnen. Ich wurde in eine andere Zeit gezogen.

Nach sechs Stunden waren wunderbare Fotos, für die Fotoausstellung in Ahlen, auf der Speicherkarte.  Jetzt hieß es eindrucksvolle Werke herauszufiltern. Dies fiel mir sehr schwer. Denn es gab sehr viele Bilder, die Erinnerungen aus vergangenen Tagen zeigten. Aber schließlich entschied ich mich für zwanzig Fotos und ließ diese auf Hahnemühlepapier veredeln.

Der Tag der Fotoausstellung in Ahlen rückt näher

Nach gut vier Monaten ging es wieder nach Ahlen. Schließlich stand der Termin für die Fotoausstellung fest. Nun galt es die Palettenwand in der Feuerarena aufzubauen. An dieser Wand wurden die Werke aufgehängt. Dann kam der 6. Januar. Das war der Tag, an dem die Eröffnung der Vernissage stattfand. Deswegen war ich sehr aufgeregt. Wer würde kommen? Wer interessiert sich für den Rückblick in die Vergangenheit und Lost Place Fotos? Ich wurde total überrascht! Viele interessierte Besucher waren gekommen. Einige schwelgten in Erinnerungen der vergangenen Zeit. Sie konnten mir interessante Geschichten zu der verlorenen Fabrikruine erzählen.

Es war ein toller Nachmittag und ich hatte das Gefühl, dass ich hier etwas Schönes gemacht hatte.

Anmerkung: Die Bilder, die hier gezeigt werden, wurden in der Ausstellung, nicht gezeigt.


Es war wieder soweit. Ein interessanter Lost Place war ausgesucht. Die Speicherkarten waren geleert und die Akkus geladen. Es konnte  losgehen. Noch wusste ich nicht, dass es an diesem Tag ein besonderes Shooting geben würde. Dazu aber später mehr.

Dieses Mal wurde ich von zwei Personen, bzw. von einem Zweibeiner und einem Vierbeiner, begleitet. Die Beiden waren schon sehr neugierig auf einen verlassen Ort. Obwohl, das stimmt nicht so ganz. Einer war auf die Ruinen ganz gespannt und was ich dort mache. Der andere musste wohl oder übel mit. Die Rede ist von dem Inhaber von comprisma.com  Björn Berensmann und seinem “ Chief of Wurst Fritz “ . Ich wollte Björn den Charme und die Magie des Zerfalls nahe bringen. Ihn dafür begeistern. Ihm zeigen, welch eine Schönheit eine Ruine sein kann. Man muss nur die Augen offen halten. Sich darauf einlassen. Er sollte sehen, wie sich die Natur ihren Weg zurück erobert.

Es war eine Zeitreise durch die verlorene Fabrik. Wir streiften durch die zerrüttenden Mauern und hielten viele Momente des Rückschrittes fotografisch fest. Wenn der Zahn der Zeit nicht soweit an den Gebäuden genagt hätte, hätten wir meinen können, dass die Arbeiter gerade Pause machten und jeden Augenblick zu ihrer Arbeitsstätte zurück kehren würden.

Plötzlich kam uns die Idee, dass das aufgegebene Gelände eine tolle Kulisse für ein besonderes Shooting abgeben würde. Sofort wurde der Gedanke in die Tat umgesetzt. Björn und Fritz mussten als Modells herhalten. Beide übernahmen diese Rolle mit Bravour.  Der “ Chief of Wurst “ flirtete mit der Kamera, als hätte er noch nie etwas anderes getan.  Es kamen wunderschöne Fotografien zustande. Wir waren begeistert.

Am Abend ging es dann wieder zurück nach München und das Bildmaterial wurde gesichtet. Aber schaut selbst