Seit 1991 ist Hundhausen, eine Stärkefabrik in Ahlen, sich selbst überlassen und im Dornröschenschlaf versunken. Die Stille sollte nun ein Ende finden. Bagger und Abrissbirne würden der Ruine den Garaus bereiten.

Doch bevor dies geschah, wollte ich die Facetten der morbiden Schönheit in Fotos festhalten. Dabei brannte sich der Gedanke in mir fest, dass ich diese Aufnahmen der längst vergangenen Epoche der Öffentlichkeit präsentieren wollte. Schließlich verbindet man Hundhausen mit Ahlen. Mit dem verschwinden der Ruine, würde auch ein Stück Ahlen verschwinden.

Ich setzte mich mit dem Eigentümer der Stärkefabrik in Verbindung. Er gab mir seine Erlaubnis, dass ich die verfallenen Fabrik betreten durfte.

So ging es auf die Reise von München nach Ahlen. Meine alte Heimatstadt. Beim Betreten des großen verlassenem Areal ließ ich mir Zeit. Durchwanderte die verlorenen Hallen und ließ sie auf mich wirken. Langsam entstanden Bilder vor meinem inneren Auge. Ich nahm meine Kamera in die Hand. Die Reise in die Vergangenheit konnte beginnen. Ich konnte mich auf jeden verwahrlosten Raum einlassen . Der Verfall war schon weit fortgeschritten und die Natur hatte sich schon einen großen Teil zurück erobert. Moos wucherte und breitete sich wie ein grüner Teppich aus. An anderen Stellen sah ich Efeu statt Tapeten. Der Putz bröckelte von den Wänden und verteilte sich auf dem Boden. Bäume wuchsen aus den Fugen des Mauerwerks und aus Regenrinnen. Ich wurde in eine andere Zeit gezogen.

Nach sechs Stunden waren wunderbare Fotos auf der Speicherkarte.  Jetzt hieß es eindrucksvolle Werke herauszufiltern. Das fiel mir sehr schwer, da es sehr viele Bilder gibt, die Erinnerungen aus vergangenen Tagen zeigen. Aber schließlich entschied ich mich für zwanzig Fotos und ließ diese auf Hanhnemühlepapier veredeln.

Nach gut vier Monaten ging es wieder nach Ahlen. Der Termin für die Präsentation stand fest. Nun galt es die Palettenwand in der Feuerarena aufzubauen. An dieser Wand wurden die Werke aufgehängt. Dann kam der 6. Januar. Das war der Tag, an dem die Eröffnung der Vernissage stattfand. Ich war sehr aufgeregt. Wer würde kommen? Wer interessiert sich für den Rückblick in die Vergangenheit und Lost Places Fotos? Ich wurde total überrascht! Viele interessierte Besucher waren gekommen. Einige schwelgten in Erinnerungen der vergangenen Zeit. Sie konnten mir interessante Geschichten zu der verlorenen Fabrikruine erzählen.

Es war ein toller Nachmittag und ich hatte das Gefühl, dass ich hier etwas Schönes gemacht habe.

Anmerkung: Die Bilder, die hier gezeigt werden, werden in der Ausstellung, die noch bis zum 31. März in der Feuerarena | Walstedderstr. 100 | 59227  Ahlen läuft, nicht gezeigt.

http://www.wn.de/Muensterland/Kreis-Warendorf/Ahlen/3099207-Britta-Moellmann-dokumentierte-Fabrikbrache-Vom-morbiden-Charme-verzaubert

http://www.wn.de/Muensterland/Kreis-Warendorf/Ahlen/3116640-Ausstellung-in-der-Feuerarena-Hundhausen-lebt-in-Fotos-weiter


Es wurden neue Bilder für comprisma.com gebraucht. Deswegen ging mein mobiles Fotostudio wieder auf die Reise.

An meinem Ziel angekommen, lernte ich die Mitarbeiter von Björn kennen. Julia fragte mich, ob ich auch für ein kleines Familienshooting Zeit hätte. Praktisch war, dass auch ihr Lebensgefährte Claudio für Björn arbeitet und die Beiden ihren kleinen Sohn Vincent mit im Gepäck hatten. Na klar, warum nicht. Wir fingen mit den Dreien an. So wurden  Julia und Claudio locker im Umgang mit der Kamera.

Vincent war sofort aufgeschlossen. Der kleine Mann grinste ständig in die Kamera. Er brauchte nicht viel Animation und hatte einfach nur Spaß. Wie schön, dass Kinder sich nicht viele Gedanken machen, sondern einfach drauflos in die Kamera schauen.

Die junge Familie war zuckersüß. Ich fragte mich, wer wem hier gleich tat. Der Sohn dem Vater oder umgekehrt. Ich spürte die Liebe zwischen den Dreien und so kamen gefühlvolle Fotos zustande.